Madagaskar – dieser schöne Name lässt an tropische Paradiese unter südlicher Sonne denken. Er weckt Erinnerungen an den würzigen Duft von Kaffee und Kakao, Vanille und Nelken. Mancher kennt Madagaskar auch als die Heimat der putzigen Lemuren mit ihren großen Augen. Die Insel ist so groß und einzigartig, dass sie den Beinamen „der sechste Kontinent“ trägt – tatsächlich ist Madagaskar die viertgrößte Insel der Welt und nach Indonesien der zweitgrößte Inselstaat mit gut 20 Millionen Einwohnern.
Geheimtipp Madagaskar: Ein Reiseziel für Individualisten
Pro Jahr besuchen rund 400.000 Touristen Madagaskar – erstaunlich wenig eigentlich, wenn man die Größe und einzigartige Vielfalt der Insel bedenkt. Große Hotels und Beach Ressorts sucht man hier jedoch vergeblich, Massentourismus gibt es hier nicht, aber genau das macht den Reiz des Landes aus.Die ehemalige französische Kolonie vor der Küste Mosambiks, wo neben der eigenen Sprache Malagasy heute noch französisch sowie englisch gesprochen wird, ist ein vielseitiges Reiseziel: Naturfreunde kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Aktivurlauber, die Sport und Action lieben. Ökotourismus und Abenteuerreisen stehen im Vordergrund.
Wer durch das Land reist, entdeckt eine abwechslungsreiche Landschaft und unterschiedliche Klimazonen, von tropisch bis gemäßigt: Wüsten, Steppen und einzigartige Hochebenen sind in Madagaskar ebenso zu finden wie Urwald. Und entlang der 5.000 km langen Küstenlinie ist der eine oder andere Traumstrand versteckt, an dem man paradiesische Tage mit Blick auf den Indischen Ozean verbringen kann.
Der sechste Kontinent: Was macht Madagaskar so einzigartig?
Die Kontinentalplatte, auf der Madagaskar liegt, löste sich vor 150 Millionen Jahr von Afrika und vor 90 Millionen vom indischen Subkontinent. Ihren Beinamen „der sechste Kontinent“ trägt die Insel daher zu Recht.Durch die Entfernung von Afrika und Indien lief die weitere Evolution von Flora und Fauna weitestgehend isoliert ab und es gibt noch heute zahlreiche endemische Arten auf Madagaskar, die nur hier vorkommen.
Ein Baum, der sich auf diese Weise entwickelte, ist der Affenbrotbaum, der mit seinem hohen, dicken Stamm und meist verhältnismäßig kleinen Krone die Landschaft prägt. Der Affenbrotbaum, der auch Baobab genannt wird, kommt hauptsächlich in trockenen Laubwäldern oder in der Nähe von Flüssen oder Wasserlöchern vor.
Während es auf Madagaskar keine Affen gibt, hat sich eine andere Art entwickeln können, die Lemuren. Mit ihren großen Augen und erstauntem Gesichtsausdruck hangeln sich diese pelzigen Säugetiere geschickt mit ihren langen Armen, Beinen und Schwänzen durch die Wälder. Besonders bekannt sind die in Gruppen lebenden Katta mit ihren schwarz-weiß geringelten Schwänzen.
Doch die Einzigartigkeit und Vielfalt von Madagaskar ist in Gefahr. Viele Arten sind vom Aussterben bedroht und damit könnten sie wie die 3 m großen Laufvögel, die bis vor 200 Jahren noch über die Insel stolzierten, eines Tages nur noch in Geschichten und auf Bildern existieren.
Madagaskar heute: Ein armes Land mit vielerlei Problemen
Die Hauptstadt Atananarivo, auch kurz Tana genannt, ist die Heimat von rund 1 Million Madagassen. Touristen sind hier nur selten unterwegs, was unter anderem daran liegt, dass Tana seit der Regierungskrise 2009 als unsicher gilt. Daher werden die meisten hier nur bei Ankunft und Abreise durchreisen. Vielleicht auch nicht verkehrt, denn Tana hat außerdem die zweifelhafte Ehre, auf der Liste der ungesündesten Städte der Welt auf Platz zwei zu stehen.Madagaskar ist stark von der Landwirtschaft geprägt und die Mehrzahl der Menschen lebt auf dem Land. Die Familien bauen ihre eigenen Lebensmittel selbst an, wobei der Reis eine besonders zentrale Rolle auf dem Küchenplan spielt.
Die Insel Madagaskar, die erst im 5. Jahrhundert besiedelt wurde, von 18 ethnischen Gruppen bewohnt. Trotz der Vielfalt der Lebensweisen der unterschiedlichen foko, wie die verschiedenen Ethnien hier genannt werden, leben diese heute insgesamt recht friedlich zusammen oder nebeneinander.
Vor etwa 41 % Christen bilden die Anhänger animistischer Naturreligionen mit 52 % die größte Glaubensgruppe. Sie glauben an den Schöpfergott Zanahany, den sie gleichzeitig als ihren Urahnen ansehen.
Der Ahnenkult ist für die allermeisten Madagassen besonders bedeutsam. Die alljährliche Totenumbettung mag zwar für Außenstehende ein etwas gewöhnungsbedürftiger Brauch sein, ist auf Madagaskar aber eines der größten Feste.
Wirtschaftlich steht Madagaskar auf dem Stand eines Entwicklungslandes mit vielen der damit einhergehenden Herausforderungen wie Armut, Mangel an Nahrung, Bildung und Infrastruktur. Kinderarbeit ist ein Problem: Viele arbeiten hart in Steinbrüchen oder in den Saphirminen im Süden des Landes, als Hausangestellte oder in Fischerei und Landwirtschaft. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geht davon aus, dass 2 Millionen Kinder arbeiten, statt die Schule zu besuchen.
Der Tourismus steckt auf Madagaskar zwar noch in den Anfängen, ist aber schon heute eine wichtige Einnahmequelle für das Land. Es ist möglich, Madagaskar im Rahmen einer Gruppenreise oder auf eigene Faust zu entdecken, bei Bedarf mit Hilfe von Führern oder Agenturen vor Ort. Zwar ist auf Madagaskar noch nicht alles perfekt durchorganisiert – Straßen oder Unterkünfte können immer mal wieder für Überraschungen sorgen; aber wer Geduld und Offenheit mitbringt, erlebt dafür zur Belohnung ein einmaliges Land mit einzigartiger Natur und Kultur.

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